Dienstag, 17. Februar 2009

Diskussion im Radio


Am Donnerstag, 19. Februar um 20 Uhr -
geplante Radio-Diskussion:

Offener Kanal, Frequenz 97,2 (UKW)

"Verkehrskonzept Humboldtforum"
Gäste werden neben Annette Ahme (Initiative Rathausbrücke), Herr Weingartner (FDP) und vielleicht (angefragt) Herr Gaebler (SPD) und vielleicht Herr v. Boddien (angefragt) sein.

Die Sendung nennt sich "Take five".


Sonntag, 8. Februar 2009

Wann fallen die Würfel?


Nichts geht mehr - ohne die Rathausbrücke

Als der Wettbewerb für den Neubau der Brücke entschieden wurde, dachte man noch an den Wiederaufbau des Palastes der Republik. Als die Ausschreibungen für den Neubau endlich begannen, wusste noch keiner im Büro der Senatorin Junge-Reyer, dass das Konzept für das Humboldt-Forum längst obsolet war. Trotzdem wird auch jetzt mit aller Macht der Bau der Brücke betrieben. Es scheint als ginge es dem Gespann - Bausenatorin Frau Junge-Reyer und Senatsbaudirektorin Frau Regula Lüscher - in der Behörde darum, einen Gesichtsverlust zu vermeiden. Ihr Schutzbehauptung ist ein möglicher Regressanspruch der Baufirmen, die sich bei der Ausschreibung beteiligt haben.

Nun könnte man ja die "Junge-Reyer-Brücke" bauen, um diese dann wieder abzureißen, wenn die sogenannten ADAC-Pläne umgesetzt werden. Das wäre eine echte Beschäftigungsmaßnahme, finanziert aus dem Konjunkturpaket.

gez. FWZ (Redakteur dieser Website)
Hier ein Bericht aus dem Tagesspiegel vom 8. Februar 2009.






Freitag, 6. Februar 2009

Eingabe an den Stadtentwicklungsausschuss

Liebe Rathausbrücken-Freunde,

nachdem am 12. Januar in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses die Anträge zur Rathausbrücke und zur Verkehrsführung / Gestaltung Humboldtforum-Umfeld nicht abschließend beraten worden sind, hatten wir in Nachgesprächen verabredet, den Abgeordneten noch einmal einige Infos zukommen zu lassen, welche ich im hiermit weitergeleiteten Schreiben zusammengefaßt habe (s. unten).

Da von der Senatsverwaltung als fast einziges Argument die angeblich drohende Schadensersatzforderung genannt wird, habe ich diese in den Vordergrund gestellt. Die Informationen hierzu stammen von einem Fachbeamten.

Von der Parlamentsebene ist zu hören, daß die Anträge erst am 2. März beraten werden; aus der Verwaltung ist zu hören, daß die Vergabe noch nicht so schnell vollzogen wird. Wir hoffen alle, daß eine Vergabe nicht vor dem 2. März stattfindet bzw. daß sie gar nicht stattfindet. Z. Z. ist es ja ein bißchen spannend geworden, weil nicht ganz klar ist, wie gut Wowereit seinen Überraschungs-Coup mit der Vermietung von Tempelhof an die Modemesse überstehen wird. Erst danach wird wohl wieder das heiße Eisen Rathausbrücke aufgegriffen werden, das am Sonntag in der MoP und am Montag im Tsp so dargestellt wurde, daß es einen offenen Konflikt im Senat um Verkehrskonzept Humboldtforum und damit auch um Rathausbrücke gibt.

Von: Annette Ahme [mailto:ahme@ahme.de]
Gesendet: Dienstag, 3. Februar 2009 10:40
Cc: Haspel Dr, Jörg; kuehne, manfred; Gothe, Ephraim
Betreff: Rathausbruecke

An die Mitglieder des Ausschusses für Bauen und Wohnen des Abgeordnetenhauses von Berlin
An die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr des Abgeordnetenhauses von Berlin
An die Mitglieder des Ausschusses für Kulturelle Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses von Berlin
An die Mitglieder des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin
Und an weitere Verfahrensbeteiligte

Sehr geehrte Damen und Herren,

da in der Presse immmer auch über die Rathausbrücke berichtet wird – teilweise falsch – möchte ich Sie gerne über den derzeitigen Sachstand unterrichten, soweit dies die mir vorliegenden Informationen zulassen.

Wichtig: Es wird immer wieder so dargestellt, als sei der Auftrag schon vergeben. Dies trifft definitiv nicht zu.

Zur Rechtslage möchte ich aufgrund eines Gesprächs mit einem Ex-Mitarbeiter bei der Vergabestelle folgende Darstellung geben: Der "Billigste" hat beim Vergabeverfahren den Anspruch, den Auftrag zu bekommen, soweit die Prüfung ergibt, daß alle seine Angaben richtig sind und dem Erfordernis der Ausschreibung sachlich entsprechen. Wenn die Verwaltung das Vergabeverfahren nicht aufhebt (was sie auch tun könnte), hätte dieser "Billigste" (soweit die Prüfung positiv war) eventuell den Anspruch, seine Aufwendungen für die Beteiligung an der Ausschreibung (zwischen 10.000 und 20.000 Euro) sowie den entgangengen Gewinn (also ca. 3% von 9 Mio Euro = ca. 300.000 Euro) erstattet zu bekommen. Er müßte dieses aber wohl einklagen, und nicht jeder Bauträger, der auch in Zukunft mit dem Berliner Senat zusammenarbeiten möchte, wird gleich vor Gericht ziehen. D. h. es kann, muß aber nicht zu Schadensersatzansprüchen kommen. Ferner hat die Verwaltung die Möglichkeit, die Ausschreibung aufgrund neuer Erkenntnisse aufzuheben. So könnte die Verwaltung argumentieren, daß sich aufgrund der z. Z. in Bearbeitung befindlichen Verkehrsplanung für die Rathausbrücke neue Anfordernisse ergeben haben. Natürlich hat auch in diesem Falle der "Billigste" die Möglichkeit, vor Gericht zu argumentieren, daß diese Aufhebung nicht sachgerecht gewesen sei. Das sind die Risiken, also kurzgefaßt: Es kann, muß aber nicht sein, daß der "Billigste" seinen Anspruch von maximal ca. 300.000 Euro geltend macht. Ein wie mir scheint tragbares Risiko vor dem Hintergrund, daß die Realisierung des Noebel-Entwurfs eine echte Fehlplanung zu sein scheint.

Fehlplanung deshalb, weil der Noebel-Entwurf immer noch auf den Palast der Republik bezogen ist.

Fehlplanung deshalb, weil der Noebel-Entwurf mit einer überflüssigen Fußgängerunterführung die Spree unsinnigerweise weiter zusätzlich einengt. Diese Fußgängerunterführung endet in einer toten Ecke am Marstall.

Fehlplanung deshalb, weil keine der beiden Fußgängerunterführungen hat (davon eine unsinnig, weil kein Anschluß nach Süden und Norden vorhanden), behindertengerecht ist. Ich bitte Sie, diesen Sachverhalt besonders intensiv zu prüfen und dem / der Behindertenbeauftragten Ihrer Fraktion vorzulegen.

Fehlplanung deshalb, weil nicht an den Denkmalschutz für den historischen Brückenpfeiler gedacht wurde.

Fehlplanung deshalb, weil das Geländer, welches die Noebel-Brücke vorsieht, ein "Astwerk" vorsieht, welches sich auf die Urform der dort ursprünglich einmal vorhanden gewesenenen Brücke, nämlich den "Knüppeldamm" (13. und 14. Jahrhundert) bezieht. Damit wird die barocke Brücke, kunstgeschichtlich von höchster Bedeutung (erste steinerne Brücke der Mark Brandenburg, künstlerische Ausgestaltung durch die Aufstellung des weltweit gerühmten Schlüterschen Reiterstandbilds) totgeschwiegen. Das bedeutet eine völlige Verkehrung der Maßstäbe, was Ästhetik, aber auch politische Ikonographie betrifft.

Fehlplanung deshalb, weil die Spree hier durch die Reste des Palastes (tangiert nicht die "Wanne"!) künstlich um ca. 10m eingeengt ist, ein Zustand, der dringend geändert werden müßte, auch weil die herrschende Politik eine Wiederherstellung der ursprünglichen Flußbreiten anstrebt (wichtig aufgrund des gestiegenen/steigenden Grundwasserspiegels südlich von Berlin).

Fehlplanung deshalb, weil es noch kein Verkehrskonzept für das Humboldtforum und Umgebung gibt und heute noch nicht bekannt ist, welchen Verkehr die zukünftige Rathausbrücke überhaupt aufnehmen muß.

Fehlplanung deshalb, weil die jetzige Brücke als Baustellenbrücke gebraucht wird (die derzeitige Brücke hält noch 5-10 Jahre). Es macht doch keinen Sinn, jetzt eine "schöne" neue Brücke zu bauen, die dann über Jahre den Baustellenverkehr abwickeln muß. Beziehungsweise muß gefragt werden: Wie soll der Baustellenverkehr abgewickelt werden, wenn diese Brücke zwei Jahre ausfällt?

Ich bitte Sie, mir nachzusehen, falls ich Eulen nach Athen trage. Bitte bedenken Sie auch, daß bei Umfragen (z. B. Berliner Kurier: 84% pro historische Brücke) immer eine übergroße Mehrheit für die historische Gestaltung ist.

Dieser Entwurf wird den ästhetischen Anfordernissen gerecht, erlaubt die Aufstellung des Denkmals und erfüllt die Anfordernisse der Schiffahrt. Außerdem sichert dieser Entwurf den Denkmalschutz für den historischen Pfeiler, der selbst wochenlangen Bemühungen von DDR-Bausoldaten, ihn zu beseitigen, standgehalten hat. Hier ist Berlin gegründet, hier stand einmal das erste gemeinsame Rathaus.

siehe Fotomontage: Thomas D. Böhm.
Für Nachfragen stehe ich jederzeit gerne am Telefon oder per Mail zur Verfügung.

Bitte dringen Sie darauf, daß keine Vergabe stattfindet oder das Vergabeverfahren aufgehoben wird, bis das gültige Verkehrskonzept vorliegt. Bedenken Sie bitte auch, daß der Architekt Walter A. Noebel zu einer Um- bzw. Neuplanung gerne bereit wäre.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und

mit freundlichen Grüßen
Annette Ahme, im Auftrag der Arbeitsgruppe Rathausbrücke im Nikolaiviertel
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Später schreibt Annette Ahme:

Eine Mail hat mich auch erreicht, in der die folgende wie ich finde äußerst erwägenswerten Gedanken enthalten sind:

"Die Rathausbrücke symbolisiert mit genau diesem Pfeiler nicht nur das Herz und die Geburtszelle von Berlin: genau dieser Pfeiler IST die Geburtsstätte von Berlin.
Es wird nicht annähernd nachdrücklich dargestellt, daß es an diesem Pfeiler war, wo Berlin sein erstes Rathaus hatte. Als vereinigte Städte Berlin und Cöln gab sich die nunmehr neue Stadt Berlin ihr Rathaus in der Mitte der heutigen Rathausbrücke, die damals, als die Spree noch breit und träge, nicht eingeengt durch Uferbefestigungen war, zu Recht Lange Brücke hieß. Allein dies, ein Rathaus mitten im Fluß, ist eine seltene und geschichtlich bedeutsame Situation, die nicht oft genug erwähnt werden kann bei aller Urbanität, die man heute mit Berlin zu verbinden sucht.
Hier war nicht nur ein einfacher Brückenpfeiler gestellt worden, an dieser Stelle gab es offenbar auch einen besonders festen Untergrund. Wohl auch deswegen wurde an dieser Stelle, nach vielen Jahrhunderten immer noch hier, das Kurfürstendenkmal errichtet. Ich, 1959 geboren, kann mich erinnern, bis beinahe zum Bau des Palastes der Republik den Denkmalsockel dort sehr wohl noch gesehen zu haben. Ich bin zu der Bauzeit des Palastes jeden Tag zweimal über diese Brücke zur Schule und nach Hause gegangen und habe erlebt, wie nach dem Bau der neuen, jetzigen Brücke versucht wurde, den Restsockel über viele Monate zu beseitigen: Bausoldaten haben da, von Spundwänden vor dem Wasser geschützt, mit Presslufthämmern diesen Sockel und den Grund bearbeitet, ohne daß der Sockel tatsächlich beseitigt werden konnte, es blieb bis heute diese "Nase", im Bild nach 5 Uhr. Diese "Nase", die sich der Beseitigung durch die Presslufthämmer von DDR-Bausoldaten so wacker widersetzte, ist die Geburtsstelle Berlins, genau hier stand das gemeinsame Rathaus zwischen den beiden Mutterstädten Berlins, Berlin und Cölln."

Dienstag, 27. Januar 2009

Pressekonferenz: Was machen die Medien daraus?

Dieser Entwurf eines Brückenneubaus wurde als Alternative zum geplanten Neubau auf der PK vorgestellt
BERLINER ZEITUNG vom 27.01.2009
Streit um die Rathausbrücke
Bürgervereine fordern den Wiederaufbau nach historischem Vorbild
- Ulrich Paul
Wenn es nach Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) geht, soll die Rathausbrücke am Schlossplatz nach einem Entwurf mit moderner Architektur wieder aufgebaut werden. Mehrere Bürgervereine wollen den Bau jetzt aber in letzter Minute verhindern. "Wir fordern einen Planungsstopp", erklärten gestern Vertreter der Gesellschaft Historisches Berlin, des Vereins Berliner Historische Mitte, des Forums Stadtbild und der AG Rathausbrücke. Der bereits ausgeschriebene Auftrag für den Bau dürfe nicht erteilt werden. Es müsse eine "Denkpause" geben, um neu über die Gestaltung zu diskutieren. Schließlich stamme der Brücken-Entwurf des Architekten Walter Noebel aus dem Jahr 1998. Er beziehe sich noch auf den Palast der Republik, aber nicht auf das Schloss, das jetzt an dessen Stelle neu aufgebaut werden soll.

Die Rathausbrücke verbindet das Nikolaiviertel mit dem Schlossplatz über die Spree. Ihr Platz ist einer der ältesten Brückenstandorte Berlins. Im Laufe der Jahre hieß das Bauwerk erst Lange Brücke, dann Kurfürstenbrücke und schließlich seit 1951 Rathausbrücke. 1307 fand auf der Brücke die erste Vereinigung zwischen Cölln und Berlin statt. 1695 errichteten Arbeiter dort die erste Steinbrücke der Stadt, 1703 fand das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten auf der Brücke Platz.

Von der 1895 umgestalteten Brücke ist heute nur noch ein Pfeiler erhalten. Der Rest ist ein Provisorium, das jetzt durch einen Neubau ersetzt werden soll. Der Pfeiler der historischen Brücke soll nach den Senatsplänen abgerissen werden, um eine Durchfahrtsbreite von 26 Metern für die Binnenschiffe zu erhalten. Die vier Bürgervereine setzen sich dafür ein, dass der alte Pfeiler erhalten bleibt und die Brücke nach historischem Vorbild gestaltet wird. Gestern stellten sie einen Entwurf vor, bei dem dies möglich ist: neben der geforderten 26 Meter breiten Durchfahrt könnten danach der Pfeiler und ein 15 Meter breiter Brückenbogen gebaut werden. Platz genug wäre dafür, wenn die Spree an dieser Stelle auf ihre ursprüngliche Breite erweitert würde. Beim Bau des Palastes der Republik war die Spree hier für die Palast-Terrassen um etwa zehn Meter verschmälert worden. Nach dem Abriss des Palastes ließe sich das Flussbett wieder erweitern. Die vier Bürgervereine dürfen sich über prominente Unterstützung für ihre Forderung freuen. Der deutsche Nobelpreisträger für Medizin von 1999, Günter Blobel, setzte sich jetzt in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit für die historische Brücke ein. "Das banale Betonband" Noebels werde im Zusammenhang mit dem wiederaufgebauten Schloss "lächerlich und irritierend wirken", schreibt er. Die Stadtentwicklungsbehörde bleibt jedoch hart: "Wir haben einen vernünftigen Entwurf und den werden wir auch realisieren."
Morgenpost vom 27.01.2009
Bürgervereine stellen ihre Rathausbrücke vor
- Von Isabell Jürgens
Im Streit um den Neubau der Rathausbrücke, die das Nikolaiviertel mit dem Schloss-Areal verbindet, haben sich jetzt vier Bürgervereine zusammengeschlossen und einen Gegenentwurf präsentiert."Noch ist das Vergabeverfahren zum Neubau nicht abgeschlossen. Es ist noch nicht zu spät, die peinliche Offenbarung von architektonischer Geschichtslosigkeit des Senats zu stoppen", appellierte Stefan Görlich vom Forum Stadtbild Berlin.Die Bürgervereine Forum Stadtbild, Berliner Historische Mitte e.V., AG Rathausbrücke und Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) fordern in einem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses, die im Oktober 2008 gestartete Ausschreibung der Baumaßnahme sofort zu stoppen.
Wie berichtet, soll die 1953 errichtete Behelfsbrücke abgerissen und durch einen Neubau nach den Plänen des Architekten Walter A. Noebel ersetzt werden. Dieser hatte vor zehn Jahren einen entsprechenden Wettbewerb gewonnen."1999 stand der Palast der Republik noch. Vom Humboldt-Forum mit der Rekonstruktion der barocken Schlossfassaden war keine Rede", so Beate Schubert vom Verein Berliner Historische Mitte. Doch nun würde man mit Noebels schlichter Konstruktion aus Stahl und Beton ohne den noch erhaltenen Mittelpfeiler der alten Kurfürstenbrücke die einmalige Chance vergeben, die städtebauliche Einheit von Brücke, Schloss und Zeughaus wieder herzustellen.
Die Senatsverwaltung hatte jedoch mit Hinweis auf die Erfordernisse der Schifffahrt stets darauf bestanden, dass der Mittelpfeiler weg müsse. "Tatsächlich gibt es aber kein Gesetz, dass diese Forderung rechtlich legitimiert", sagte Annette Ahme von der AG Rathausbrücke. Es müsse lediglich sichergestellt werden, dass die Spree an dieser Stelle auf einer Breite von 26,50 Meter schiffbar sei. "Die Spree ist an dieser Stelle 44 Meter breit", so Ahme. Man könne den linken Bogen auf 26 Meter strecken, um diese Forderung zu erfüllen. Nötig sei dazu nur der Abriss der ehemaligen Palast-Terrasse, der in den 1970er-Jahren zehn Meter in die Spree hineingebaut wurde und diese dort verenge. "Wir fordern keine exakte Rekonstruktion der historischen Brücke, sondern eine Lösung, die das Wiederaufstellen des Reiterstandbildes des Großen Kurfürsten am originalen Standort zulässt", ergänzt Görlich.
Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte gestern im Verkehrsausschuss noch einmal betont, das laufende Verfahren zum Bau der Brücke jetzt noch zu stoppen, berge das Risiko möglicher Schadenersatzforderungen durch die Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligt haben.Die Bürgervereine wollen dieses Argument nicht gelten lassen. "Als die Ausschreibung gestartet wurde, waren unsere Einwände bekannt", so Görlich. Ohne die finanziellen Belange abtun zu wollen, sei die Entscheidung über die Gestaltung der Brücke zu wichtig, um sie reinem Verwaltungshandeln zu unterwerfen. "Schließlich stand an dieser Stelle ab 1695 Berlins erste steinerne Brücke, die 1703 durch das von Andreas Schlüter geschaffene Reiterstandbild des Großen Kurfürsten geschmückt wurde."
BILD am 27.1.2009

Zoff um die neue Rathaus-Brücke
Mit Fotogalerie

Neue Rathaus-Brücke
Noebel oder nobel?
Entwurf der Brücken-Initiative Die AG Rathaus-Brücke will die Überführung mit zwei Bögen, einem Pfeiler und Reiterstandbild
Von H. KASCHA
Die neue Rathaus-Brücke – wird sie Noebel oder nobel?
Bis zu ihrer Zerstörung im 2. Weltkrieg war sie die schönste Steinbrücke Ber-lins. Mit Reiterstandbild, Verzierungen, fünf Bögen. Das 1945 gebaute Provisorium soll jetzt dem Bügelbrett-Entwurf von Architekt Walter A. Noebel (55) weichen (9,7 Mio. Euro).

Nobel dagegen will es die Arbeitsgruppe (AG) Rathaus-Brücke. Die Initiative präsentierte gestern eine Variante, die sich am historischen Vorbild von 1695 orientiert. U. a. mit einem Pfeiler (3 m), auf dem wieder der Große Kurfürst (zurzeit Schlosshof Charlottenburg) stehen soll.
„Den Noebel-Entwurf lehnen wir auch deshalb ab, weil er nicht in das Ensemble mit dem zukünftigen Stadtschloss passt“, so AG-Initiatorin Annette Ahme (50).
In zwei Wochen läuft die Ausschreibungsfrist für den Neubau ab. Die AG fordert vom Senat, den Vergabeprozess sofort zu stoppen.
Prominenter Unterstützer: Medizin-Nobelpreisträger Günter Blobel (72). Er schrieb dem Regierenden Klaus Wowereit (55, SPD): „Das banale Betonband wird lächerlich und irritierend wirken.“
Dagegen Manuela Damianakis, Bausenats-Sprecherin: „Der Noebel-Entwurf wird umgesetzt. Baubeginn ist in diesem Halbjahr.“
http://www.bild.de/BILD/berlin/aktuell/2009/01/27/zoff-um-neue/rathaus-bruecke.html

Berliner Kurier, 27.01.2009

Historische Mitte
Der Kurfürst soll wieder auf die Rathausbrücke

Von Sascha Langenbach

Berlin - Preußisches Schmuckstück oder hässliches Bügelbrett? Fans von Berlins historischer Mitte kämpfen um die Rathausbrücke. Doch die "Feinde" Preußens sind zahlreich ...

Darum geht es: Seit 1998 gibt es den Plan, die Brücke zwischen Nikolai-Viertel und Schloßplatz zu erneuern, kühl, modern, ohne Pfeiler in der Spree. Nun ist Geld da, die Ausschreibung läuft, bald könnte gebaut werden.

"Halt!", rufen nun mehrere Vereine. Sie wollen, dass die ehemalige Kurfürstenbrücke mit hübschen Bogen und historisch einigermaßen korrekt wieder aufgebaut wird. Grund: Vor der Fassade des Schlosses wäre die neue Brücke – noch dazu ohne Reiterstandbild des Großen Kurfürsten – ein Fremdkörper.

Die Senats-Bauverwaltung: sieht das anders: "Wir bleiben bei den alten Plänen, das Geld wird verbaut." Klingt nicht nach Preußens Gloria ...

Samstag, 24. Januar 2009

Unter Denkmalschutz stellen

- Unterschutzstellung des historischen Mittelpfeilers der Rathausbrücke in Berlin-Mitte

- Unterschutzstellung der zutage getretenen historischen Ufermauer


... vergleichen Sie das historische Foto hier

Sehr geehrter Herr Dr. Haspel,

hiermit stelle ich den Antrag, daß der historische Pfeiler, der als Rest der historischen Brücke von 1896 noch vorhanden ist, unter Denkmalschutz gestellt wird.

Die 1945 in großen Teilen noch vorhanden gewesene Brücke wurde in den 50er und 70er Jahren durch eine provisorische Behelfsbrücke ersetzt. Mir ist nicht bekannt, wo die umfangreichen bauplastischen Elemente, die sicher teilweise eingelagert worden sind, aufbewahrt werden. Ich bitte und beantrage, dies zu prüfen.

Die Rathausbrücke war die politisch bedeutendste Brücke Berlins. Sie war die erste steinerne Brücke der Mark Brandenburg, und sie spiegelte zusammen mit dem barocken Umbau des Schlosses sowie dem Zeughaus und anderen repräsentativen Bauten den Umbau der Mark Brandenburg zum Königtum Preußen wider. Kunstgeschichtlich und ikonographisch ist sie neben dem Pont Neuf in Paris, der Karlsbrücke in Prag oder der Augustusbrücke in Dresden zu sehen.

Beim Umbau der ursprünglich 5-bogigen Brücke von Nering am Ende des 19. Jahrhunderts hat man die Gestaltungsmerkmale aufgegriffen und die Brücke den technischen Anforderungen der Schiffahrt angepaßt. Man erhielt selbstverständlich das schlütersche Denkmal des Großen Kurfürsten (es durfte noch nicht einmal von seinem Fleck wegrücken, und man hat für das Denkmal eigens ein Gerüst gebaut), man erhielt die Bogenform, und man erhielt die Kartuschen, die die Bogenzwickel geschmückt hatten, um nur einige Gestaltungsmerkmale zu nennen, die beibehalten wurden.

Daß in der Nachkriegszeit die Brücke nicht den erforderlichen Respekt erfahren hat, der ihrer Bedeutung zukommt, mag der Geldknappheit, aber auch der Mißachtung der geschichtlichen Bedeutung zuzuschreiben sein.

Diese Mißachtung darf heute nicht perpetuiert werden.

Für den Palastbau hat man die Spree um ca. 10m verschmälert. Die Spree ist von hohem Wert für das Ortsbild von Berlin ganz besonders an dieser Stelle. Die Brücke hieß ursprünglich einmal "Lange Brücke". Eine gewisse Breite schafft ein anderes Ortsbild als eine künstlich und überflüssig eingeengtes Flußbett.

Es ist daher auch im denkmalrechtlichen Sinne erforderlich, die alte Flußbreite wieder herzustellen, besonders weil es keinen Grund gibt, die künstlich schmale Breite weiter zu belassen.

Im übrigen sind bei den Palast-Abrißarbeiten umfangreiche Reste der alten Ufermauer zutage getreten, deren sofortige Unterschutzstellung ich ebenfalls verlange.

Ich bitte Sie, die beiden Unterschutzstellungen schnellstens auszusprechen, da eine unmittelbare Gefährdung sowohl durch den Abriß der vorhandenen Brücke wie auch durch den geplanten Neubau (betr. Spreebreite) vorliegt.

Aufgrund der Eilbedürftigkeit möchte ich es zunächst bei den genannten Argumenten belassen, behalte mir aber vor, in den nächsten Tagen weitere Argumente für die Unterschutzstellung nachzuliefern.

Mit Dank und mit freundlichen Grüßen

Annette Ahme

Pressekonferenz am 26.01.09 - 11 Uhr

Gemeinsame Pressekonferenz der vier Bürgervereine in Sachen Rathausbrücke

Montag, 26. Januar 2009, 11.00 Uhr

Im "Kurfürstenhaus", Spreeufer 5, Eingang über den Hof

(Kleiner Imbiß)

Das "Kurfürstenhaus" befindet sich direkt gegenüber dem Marstall auf der anderen Seite der Spree; Blick auf die Rathausbrücke.

Es werden sprechen:
- Beate Schubert, Vorsitzende Berliner Historische Mitte e. V.
- Holger Heiken, Vorsitzender Forum Stadtbild e. V.
- Dr. Bernd Wendland, Vorsitzender Gesellschaft Historisches Berlin e. V.
sowie die Unterzeichnerin

Stichworte:

1.) Sachstand (Vergabeverfahren, Stand der parlamentarischen Beratung)
2.) Präsentation eines eigenen alternativen Entwurfs
3.) Weitere Maßnahmen der Bürgervereine und -initiativen

Donnerstag, 22. Januar 2009

Gespann - Bausenatorin Frau Junge-Reyer und Senatsbaudirektorin Frau Regula Lüscher

Presseerklärung der Arbeitsgruppe Rathausbrücke im Nikolaiviertel
zum neuesten Dokument der Mißachtung der Identität der Stadt sowie der Würde ihrer Denkmäler und ihrer Geschichte durch die Senatorin, Frau Junge-Reyer sowie deren Senatsbaudirektorin, Frau Regula Lüscher

Schon öfter einmal wurde die Vermutung geäußert, daß die neue Senatsbaudirektorin, die aus Zürich kommt, nicht angemessen mit den Berliner Problemen umgehen kann. Nun wurde der Umgang mit Berliner Geschichte und Berliner Baudenkmälern auf die Spitze getrieben: Frau Lüscher und mit ihr die Senatorin, Frau Junge-Reyer, erklären allen Ernstes, daß sie es für erwägenswert halten, aus dem Flughafengebäude und -gelände ein "Rotlichtviertel" zu machen.

Dazu ist zu sagen, daß schon vor langer Zeit darauf hingewiesen wurde, daß der beste Schutz für das denkmalgeschützte Flughafengebäude natürlich die Nutzungskontinuität wäre bzw. gewesen wäre. Immerhin handelt es sich – weltkulturerbeverdächtig – um den ersten Flughafen der Welt, und es handelt sich um das seinerzeit größte Gebäude der Welt. In Berlin wurde die Luftfahrt erfunden, das Gebäude legt würdiges Zeugnis von der weltumspannend bedeutenden Geschichte Luftfahrt ab. Einen solchen Vorschlag ("Rotlichtviertel") auch nur in ernsthafte Erwägung zu ziehen, zeugt von einer völligen Respektlosigkeit gegenüber dem Denkmal und der Wirtschafts- und Technik-Geschichte sowie der Berliner Nachkriegsgeschichte (Blockade), für die dieses steht.

Hier ein Zitat aus dem Text der gestrigen Morgenpost:
"Am Vortag waren die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs "Columbiaquartier" zur Zukunft von Tempelhof in der ehemaligen Abflughalle präsentiert worden. Wowereit hatte die Ausstellung eröffnet - offenbar in Unkenntnis vom Vorschlag Nummer 1281. Diese Idee sieht vor, am Rande des Flugfelds und Columbiadamms ein Vergnügungsviertel mit dem Namen "Columbia-Strip" entstehen zu lassen. Eine Jury, zu der auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gehört, hatte diesen Entwurf und elf weitere aus 80 Vorschlägen ausgewählt."

Wenn es stimmt, daß der Regierende nicht informiert war, was hier für eine Abstrusität präsentiert werden sollte, dann kann man nur fragen: In was für einer Stadt leben wir? Was kann jetzt noch kommen? Immerhin kam es im Senat zum Eklat, nachzulesen in der Morgenpost unter dem Titel:
Proteststurm gegen Nachnutzung Tempelhofs als Rotlichtviertel / Wowereit maßregelt Stadtentwicklungssenatorin.
Klaus Wowereit wird wörtlich zitiert: "Es ist einfach nur Quatsch"; SPD-Partei- und Fraktionschef Micheal Müller: "schlicht unsinnig"; der Tempelhofer Bausenator Bernd Krömer: "absurd". Der ganze Text: http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1018978/Berlin_braucht_keine_Reeperbahn.html

Von der gleichen Ignoranz gegenüber der Berliner Geschichte aber zeugt es, daß das gleiche Gespann (Bausenatorin Frau Junge-Reyer und Senatsbaudirektorin Frau Regula Lüscher) versucht, den völlig aus der Zeit gefallenen Entwurf für die neue Rathausbrücke durchzudrücken. Ohne Not wurde der Sachzwang der Ausschreibung der Bauleistung auf der Grundlage des veralteten Entwurfs geschaffen, obwohl klar war, daß es enorme Bedenken im parlamentarischen Raum gegen diesen Entwurf gab und gibt. Es wurde sogar seitens Frau Lüscher versucht, den Ausschuß dahingehend zu täuschen, als sei die Vergabe schon erfolgt. Die Vergabe ist noch nicht erfolgt. Die Anträge, die sich auf die Rathausbrücke beziehen, stehen erst am 9. Februar 2009 zur Abstimmung.

Die Rathausbrücke ist die wahrscheinlich älteste, auf jeden Fall die geschichtlich bedeutendste Brücke Berlins. Sie hat staatspolitisch und kunsthistorisch den Rang des Pont Neuf in Paris, der Karlsbrücke in Prag oder der Augustusbrücke in Dresden. Nachdem feststeht, daß das Humboldtforum in historischer Form kommt und das Nikolaiviertel in historisierender Form Tatsache ist, hat ein Entwurf, der sich noch am Palast der Republik orientiert, keine Berechtigung mehr. Das hat Frau Lüscher noch nicht verstanden. Sie schützt nun vor, eine Entschädigungszahlung (im niedrigen sechsstelligen Bereich) zu fürchten. Allerdings sollte sie auch dazu sagen, daß sie selbst und Frau Junge-Reyer diese (vielleicht) fällig werdende Entschädigungszahlung zu verantworten haben, weil sie durch die Veröffentlichung der Ausschreibung ohne Not die Fakten geschaffen haben, die sie jetzt so scheinheilig zu bedauern vorgeben.

Mit freundlichen Grüßen, im Auftrag der Arbeitsgruppe Rathausbrücke im Nikolaiviertel

Bitte gehen Sie – wenn Sie es irgend einrichten können – zu der Bürgerversammlung am Donnerstag, 22. Januar 2009, 18.00 Uhr, Haupthalle des Flughafens Tempelhof, oder/und sagen es weiter! Vielen Dank!